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Originaltitel: Wir töten Stella, deutscher Titel: Wir töten Stella

Wir töten Stella
BILD Text Wir töten Stella

AT 2017 - 98 Min. - OdtF - Regie: Julian Roman Pölsler - Drehbuch: Julian Roman Pölsler - Kamera: JRP Artman - Schnitt: Bettina Mazzakarini - Kostümbild: Ingrid Leibezeder - DarstellerInnen: Martina Gedeck, Matthias Brandt, Mala Emde, Julius Hagg, Alana Bierleutgeb u. a.

"Ich bin allein." Das ist der erste Satz aus Marlen Haushofers Novelle "Wir töten Stella" und er gilt für Annas ganze Existenz. Anna verfasst in zwei schlaflosen Tagen und Nächten eine Lebensbeichte. Was ist geschehen?

Stella, unerfahren und jung, geht ahnungslos ihrem Untergang entgegen. Richard verführt sie, seine Frau Anna beobachtet die Affäre mit kühlem Blick. Stella wird das Opfer einer kaputten, bürgerlichen Familienidylle, die mit allen Mitteln aufrechterhalten werden muss.

Julian Roman Pölsler verfilmte Marlen Haushofers lange Zeit als unverfilmbar geltenden Roman „Die Wand“ 2012, mehr als 50 Jahre nach seinem Entstehen. Das Resultat: Ein dystopischer Heimatfilm, in dem die innere Befindlichkeit zur äußeren Bedrohung wird, erreichte ein großes nationales und internationales Publikum.

Das Private ist politisch. Selten wird dies so deutlich wie bei Haushofer, der legendären oberösterreichischen Autorin, die in ihren Texten die inneren Widersprüchlichkeiten des Lebens bloßstellt. Ganz ruhig und gleichzeitig gnadenlos erzählt sie, die messerscharfe Beobachterin, von tödlichen Zumutungen ihrer Heldin, von Depression und Unterwerfung. Haushofer ist brutal wie ein Vorschlaghammer.

Julian Roman Pölsler spannt in WIR TÖTEN STELLA einen eleganten Bogen zu DIE WAND, einen Querverweis ins Salzkammergut zu Haus und Hund und Bauersfrau und jener unfassbaren, unsichtbaren Distanz seiner Hauptfigur.

WIR TÖTEN STELLA erzählt von einem Machtsystem, das seine Unterdrückten als duldende Erhalter braucht. Niemandem ist das klarer als Anna, der Chronistin des Untergangs.